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Aus der hundertjährigen Geschichte des Kreisverbandes Dillenburg 
für Obstbau, Garten und Landschaftspflege


Von Gartenbauingenieur Hans Kurt Watz
†.

Seit dem am 9. August 1907 im Kreishaus von Dillenburg Landrat von Wussow die erste Satzung unterschrieb, hat sich die Aufgabenstellung des Kreisvereins im alten Dillkreis kaum geändert. Es kann festgestellt werden, dass sich die Obst- und Gartenbauvereine und der Kreisverband große Verdienste bei der Überwindung von Armut und Hunger erworben haben. Als Beispiel soll nur die katastrohpale Ernährungslage in den Jahren nach den beiden Weltkriegen erinnert werden.
Die ersten Aufzeichnungen über den Obstbau sind zurück zu verfolgen bis 1347 und dann weiter bis ins 16. Und 17. Jahrhundert. Alte Flurnamen wie z.B. „Am Holzapfelbaum“, „Am Honigbaum“, „Am Säubirnbaum“ zeigen noch auf den Obstanbau hin, der bis in die heutige Zeit an vorderster Stelle in der Jahresverbandsarbeit steht.
Nach alten Aufzeichnungen von Hauptlehrer Schwarz (Eiershausen) veranstaltete Herborn 1899 die erste „aufregende Obstausstellung“, durchgeführt von dem um 1890 gegründeten Obst- und Gartenbauverein. Nach Erhebung von 1903 sind die ältesten Ortsvereine des alten Dillkreises Herborn, Schönbach, Dillenburg, Eibelshausen, Bicken und Frohnhausen, die dem Landesverband angeschlossen waren.
14 Obst- und Gartenbauvereine gründeten 1907 den Kreisverband. Bereits 1910 hat sich der Kreisverband mit den angeschlossenen Ortsvereinen erfolgreich an einer Jubiläumsveranstaltung in Frankfurt am Main beteiligt.
Gefördert wurde die Arbeit des Kreisverbandes und der Ortsvereine durch die Kreisverwaltung und die Offizialberatung. Erwähnt werden muss hier die Arbeit von Obstbaumwanderlehrer Schilling (Geisenheim). Ihm war der aufstrebende Dillkreis in Sachen Obst- und Gartenbau zur vertrauten zweiten Heimat geworden. In unzähligen Vorträgen, Lehrgängen und Ortsbegehungen wurde die Arbeit des Kreisverbandes mit den Ortsvereinen stark gefördert und unterstützt. Durch seine Unterstützung holten sich Mitglieder von Ortsvereinen ihr fachliches Rüstzeug in der Geisenheimer Lehranstalt.
Diese erfolgreiche Arbeit auf Kreisverbandsebene wurde fortgesetzt durch Kreisobstbautechniker Schäfer (Haiger), Diplom-Gartenbauinspektor Henseleit (Dillenburg) und den Verfasser diese Beitrags.
In der Geschichte des Kreisverbandes darf die langjährige Tätigkeit von Ehrenlandrat Dr. Karl Rehrmann als Vorsitzender nicht unerwähnt bleiben. Der Kreisverband hatte in Ihm einen Vorsitzenden, der mit den Problemen und Aufgaben bestens vertraut war. Seine Nachfolger im Amt, Bürgermeister Siegfried Dechert (Breitscheid) und Arthur Weber (Eibelshausen) widmeten sich ebenfalls mit großer Schaffenskraft der Arbeit für die Ortsvereine und den ländlichen Raum.
Mit der Entwicklung der sogenannten Wohlstandsgesellschaft  etwa ab 1960 begann nach und nach eine Veränderung und Verlagerung der Aufgabenstellung der Ortsvereine und des Kreisverbandes. Die wirtschaftlichen Gesichtspunkte verloren an Bedeutung. Auf Veranlassung des Landesverbandes Hessen zur Förderung des Obstbaues, der Garten- und Landschaftspflege übernahm der Kreisverband mit den Ortsvereinen die wichtige Funktionen bei der Dorfverschönerung und der Freizeitgestaltung. Der Kreisverband Dillenburg war hier besonders aktiv. Dies zeigen die großen Erfolge, die an anderer Stelle näher aufgeführt sind.
Der Kreisverband widmete sich auch verstärkt Fragen des Naturschutzes und der Landschaftspflege und damit dem gesamten Umweltschutz. Viele ehrwürdige alte Bäume sind in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren mit erheblichem finanziellem Aufwand restauriert worden.
Schwerpunktthemen der Bundesarbeitsgemeinschaften „Garten und Landschaft“, wie z.B. „Der grüne Friedhof“, „Wir pflanzen den Baum für das Jahr 2000“ oder „Mehr grüne Spielräume für unsere Kinder“ sind auf Anregung des Kreisverbandes und mit Unterstützung der Kreisverwaltung aktiv in das Arbeitsprogramm der Ortsvereine aufgenommen worden. Man erinnerte sich wieder an die Zeit, als in jedem Dorf gefordert wurde, eine Baumschule anzulegen und mit der Pflege einen geeigneten und geschickten Mann zu beauftragen. Meist war das der Schulmeister. Er musste auch den Kindern Belehrungen über Aufzucht und Pflege der Obstbäume erteilen. Die Idee der Schulgärten war geboren, bis in die heutige Zeit eine wichtige Aufgabe des Kreisverbandes mit seinen Ortsvereinen.
Besonders erwähnt werden muss auch die heimische Presse, welche die Arbeit des Kreisverbandes stets wohlwollend verfolgte und Ratschläge und Berichte veröffentlichte, die der Förderung unseres Anliegens dienten.
Abschließend kann gesagt werden, dass die Hundert-Jahr-Feier ein Grund ist, mit Stolz auf die geleistete Arbeit zurück zu blicken. Gleichzeitig können wir aber auch mit Optimismus in die Zukunft schauen: Wenn der Gedanke des Naturschutzes auf höchster politscher Ebene in die Gesetzgebung aufgenommen wurde, so ist dies ein Erfolg der Obst- und Gartenbauer, der uns zu neuer Arbeit beflügeln wird.

Hans Kurt Watz verfasste diesen Artikel für die Festschrift des Kreisverbandes anlässlich der 100 Jahrfeier im Jahr 2007. Ein Jahr später ist er leider plötzlich und unerwartet verstorben.